PERFECT DAY: Paris

Die freie Journalistin Christiane lebt seit einigen Jahren in Paris, der Hauptstadt der Mode. Sie beschreibt uns ihren perfekten Tag so anschaulich und spannend, dass man am liebsten gleich den nächsten Flieger buchen möchte. Und übrigens: von Christiane werdet ihr zukünftig mehr auf diesem Blog lesen. Jetzt aber viel Spaß mit ihren Insider-Tipps. 

Christiane lebt "rechts der Seine" in Paris
Christiane lebt seit Jahren in Paris

Paris ist in bestimmter Hinsicht wie New York – es wird nie langweilig, denn man kann 365 Tage im Jahr komplett unterschiedliche Dinge unternehmen; und wenn man ein Jahr später an denselben Ort zurückkehrt, hat er sich schon wieder verändert: neue Restaurants, neue Ideen, neue Bilder, neue Menschen. Deshalb ist auch der PERFECT DAY Paris jeden Tag ein anderer – und meistens sind es sowieso die ungeplanten Dinge, die ihn ausmachen. Am besten man lässt sich ein bisschen treiben, ohne Google Maps, ohne Plan, ohne zu wissen, was einen um die nächste Straßenecke erwarten könnte: Und ehe man sich’s versieht, hat man sich über beide Ohren in die City of Love verknallt.

Eine Sache hat sich in meinem Pariser Leben seit Jahren nicht verändert: Ich bin eher rive droite – das heißt meine Gegend ist der nördlich der Seine gelegene Stadtteil. Dort haben sich im letzten Jahrzehnt immer mehr coole Bars, Street Food Spots, junge Fashion Labels und Kulturräume gebildet. Lange habe ich dort in einer Agentur gearbeitet und mein Weg ins Office führte am Atelier von Jean Paul Gaultier vorbei. An den Tagen kurz vor den Défilés rauchten schon früh morgens Mitarbeiter mit Augenringen und zittrigen Händen ihre Zigaretten vor dem Eingang. Die Luft knisterte vor Nervosität – und es kam mir immer so vor, als wäre das ganze Gebäude von einer Art „Sparkle“ umhüllt, etwas Glamourösem, von dem ich mir vorstellte, im Vorbeigehen einen Hauch aufzuschnappen. Ganz Paris liebt Jean Paul!

Zur Zeit trinke ich morgens gerne einen Kaffee in der Fondation Café. Meistens wird es ein Coffee-to-go, weil es nur wenige kleine Tischchen gibt. Ich mag den Spot, weil er ebenso unprätentiös wie stylish ist – skandinavisches Design, die schöne 50er-Jahre Potence-Lampe im Zentrum und eine auf Hochglanz polierte Espressomaschine, die, wie der Barrista Chris, aus Australien stammt. Der Kaffee ist einfach fantastisch: Er kommt direkt aus einer Rösterei in Belleville im Osten von Paris. Dazu ein Stück Banana Bread für meinen sweet tooth – oder an “vernünftigen” Tagen einen Avocado Toast!

Fondation Café Paris
Fondation Café

Wenn ich frei habe, schaue ich dann gerne kurz bei Merci vorbei, das ein paar Gehminuten weit entfernt ist: Der Concept Store bietet tolle Mode, Beautyprodukte, eine farbenfrohe Papeterie, schöne Textilien sowie Design- und Vintagemöbel – und immer wieder gibt es Kunstausstellungen und Fashion Shows zu sehen. Zum Merci-Konzept gehört die Förderung junger Designtalente und die Unterstützung eines Kinderhilfsprojektes in Madagaskar, in das ein Teil des Umsatzes fließt. Und das Beste im Moment: Sale is on!

Merci Paris
Berühmt: das Merci in Paris

Danach ein kleiner Spaziergang durch’s Marais. Hier war meine erste Wohnung: Die Mietpreise sind sehr hoch – ich habe damals mit meinem Partner zusammen auf 35 Quadratmetern gewohnt! Hier kann man toll shoppen – Multibrand Stores wie L’Eclaireur sind ebenso vertreten wie etablierte High Fashion und Mid-Market Labels, junge Designer und Vintage-Läden wie die Vintage Bar in der Rue de la Verrerie. Ich liebe die wunderschöne Rue Vieille du Temple mit ihren Fassaden aus einer anderen Zeit und dem ihr so eigenen, romantischen Licht.

design shop paris
Design Shop L’Eclaireur in der Rue de Sevigné

Es gibt übrigens zwei Dinge, an denen ich im Marais nie vorbeikomme, ohne zuzuschlagen – und sie haben rein gar nichts mit Mode zu tun, sondern sind Versuchungen einer ganz anderen Art: Die Rede ist von den Choux à la Crème bei Popelini (kleine Profiteroles in den leckersten Variationen). Oder, je nach Shoppingroute, von der portugiesischen Patisserie Comme à Lisbonne: Dort gibt es die einzigartigen Blätterteig-Tartelettes mit Pudding namens Pastel de Nata, die sonst wirklich nur in Portugal zu finden sind! Einzige Bedingung: Beide Köstlichkeiten müssen noch am selben Tag verspeist werden. 🙂

Ich beende meinen Marais-Streifzug in der Maison Européenne de la Photographie: Hier sind neben einer Portraitreihe von Alice Springs – Helmut Newtons Frau June, die in den 1970er Jahren selbst begann zu fotografieren – gerade wunderschöne Werke Jacques Henri Lartigues unter dem Ausstellungstitel La vie en couleurs zu sehen. Ich bin tief beeindruckt von der zarten Farblichkeit seiner Aufnahmen. Ich kannte ihn bisher nur als einen Meister der Schwarz-Weiß-Fotografie.

Paris wird nie langweilig, denn man kann 365 Tage im Jahr komplett unterschiedliche Dinge unternehmen; und wenn man ein Jahr später an denselben Ort zurückkehrt, hat er sich schon wieder verändert.

Im Sommer mache ich gerne einen nachmittäglichen Abstecher zu den Paris Plages. In den Juli- und Augustwochen kann man sich an Teilen des Seine-Ufers einen Liegestuhl schnappen und die Füße (bei Bedarf auch den Kopf) in den Sand stecken, die Sonne genießen und den Eiswürfeln in seiner Zitronenlimo beim Schmelzen zusehen. Im Wasser platschende Kinderfüße, das Vorbeiziehen einiger Möwen über der Seine: Man ist für einen Moment in einer anderen Welt. Jetzt noch ein Velib-Fahrrad schnappen und eine Tour Richtung Grand Palais machen? Dort ist noch den ganzen Monat Juli die große Jean Paul Gaultier Ausstellung zu sehen. Aber ehrlich gesagt sitze ich viel zu gut hier…

paris plages
Abendstimmung an den Paris Plages

Am frühen Abend laufe ich noch über die wunderschöne Île Saint Louis, als auf der Brücke zur Île de la Cité eine Jazzband im Freien spielt. Ein Korken knallt inmitten einer Gruppe, die sich offensichtlich nach der Arbeit dort niedergelassen hat. Solche Abende sind unwiderstehlich: Ein leichter Wind weht über die Brücke, abgestreifte Krawatten und ausgezogene High Heels im Garten hinter Notre Dame – da möchte man die Zeit anhalten.

Schließlich treffe ich mich mit Freunden zum Dinner im Pan, einem unserer neuen Lieblingsrestaurants. Die schwarze Fassade mit goldenen Lettern, die Innenwände und das wunderschöne Parkett blieben seit 1900 dieselben und erinnern zusammen mit den Kronleuchtern an der Decke daran, dass hier einmal mit Lüstern gehandelt wurde. Die Atmosphäre ist so einmalig wie die Küche zum Verlieben: Pan ist kein französisches, sondern ein, wie sie selbst sagen „fast sizilianisches“ Restaurant. Die Rezepte kommen aus Sizilien, der Küchenchef ist Libanese und einer der Top-Chefs in der Stadt  – und die Produkte stammen 100% aus Frankreich. Pan ist Teil des ambitionierten Projekts La Jeune Rue, das sich auf die Fahne geschrieben hat, in seinen Betrieben ausschließlich ausgewählte, saisonale Produkte anzubieten, die von Landwirtschaften mit höchsten Ansprüchen stammen. Und Pan ist ein absolutes Schmuckstück – reservieren ist ein Muss! So beenden wir den Tag in verwaschen-goldenem Licht – nicht ausgeschlossen, dass wir ihn mit einem Cocktail im Experimental um die Ecke besiegeln.

pan paris
Dinner im Pan

Titelbild: PARIS by Aleks Bertram on Prezi