REBEKKA REINHARD: Kleine Philosophie der Macht

Rebekka Reinhard

Vor ein paar Wochen habe ich Dr. Rebekka Reinhard auf der Hirmer Ladies Night in München kennengelernt. Sie hat mich dort mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Vortrag sehr inspiriert. Rebekka Reinhard ist promovierte Philosophin, Spiegel-Bestseller-Autorin und eine gefragt Rednerin bei Veranstaltungen. Sie selbst sagt von sich: „Ich hole die Philosophie aus dem Elfenbeinturm und setze sie da ein, wo sie hingehört: ins wirkliche Leben.“ Und das wurde ja auch mal Zeit. 😉  Rebekka Reinhard ist eine sehr beeindruckende Frau und umso mehr habe ich mich gefreut, als sie sich bereit erklärt hat, auf meinem Blog einen Gastbeitrag zu veröffentlichen. Es geht um das Thema ihres neuesten Buches „Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen)“, also um die Macht – und warum uns Frauen etwas mehr Mut zur Macht nicht schaden könnte. Viel Spaß beim Lesen!

„Es steht fest, dass es Frauen gibt, deren Gehirn ebenso groß ist wie das irgendeines Mannes“, schrieb der britische Philosoph und Frauenfreund John Stuart Mill 1869. „Ich weiß, dass ein Mann, der mehrere menschliche Gehirne gewogen (hat), erklärt hat: das schwerste, welches man bis dahin gefunden … sei das einer Frau gewesen.“ Inzwischen hat die Forschung einige Fortschritte gemacht. Wir wissen heute, dass die Frau nicht nur zu erstaunlichen Denkleistungen fähig ist. Sondern zu weit mehr. Es gibt heute Konzernlenkerinnen, Bundeskanzlerinnen, Nobelpreisträgerinnen und sehr bald vielleicht auch eine Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber nehmen wir doch die, um die es hier geht, etwas genauer unter die Lupe.

Was ist die moderne Frau? Ein hochkomplexes Lebewesen. Sie shoppt und liest, joggt und chattet. Sie hat viele Interessen. Viele davon beginnen mit „M“: Mode, Makeup, Muffins, Marathon, Männer. Macht gehört eher nicht dazu. Warum eigentlich nicht? Wenn die moderne Frau „Macht“ hört, denkt sie an Wladimir Putin, Google und die NSA. Sie denkt an irgendwelche unheimlichen Kräfte, die über ihren Kopf hinweg das Weltgeschehen lenken – doch nie an sich selbst. Wir haben uns an einen ebenso schwammigen wie einseitigen Machtbegriff gewöhnt, einen, der das Phänomen, mit dem wir es zu tun haben, in unerreichbare Ferne rückt.

Die moderne Frau hat viele Interessen. Viele davon beginnen mit „M“: Mode, Makeup, Muffins, Marathon, Männer. Macht gehört eher nicht dazu. Warum eigentlich nicht?

Um Licht ins Dunkel zu werfen: Macht kommt von „Machen“, „Können“, „Vermögen“.  Das lateinische Wort für Macht ist „potentia“. Macht meint die Potenz, etwas bewirken und verändern zu können. Seine Beziehungen zu den Dingen und den Menschen, sein Leben insgesamt. Macht ist der Schlüssel zu Glück und Freiheit.

Welches „Können“? Unsere Tendenz zur Selbstunterschätzung bedingt, dass wir von unseren eigenen Fähigkeiten immer weniger Ahnung haben als der Rest der Welt, welcher von diesen Fähigkeiten profitiert. Unsere Talente sind uns ein Buch mit sieben Siegeln. Wir können so viel, dass dieses Viele uns beinahe unterjocht. Wir sind so potent, so mächtig, dass wir fast schon wieder ohnmächtig sind.

Wir gehen in Vorleistung, bis der Arzt kommt. Wir sind Meisterinnen des schlechten Gewissens – und des Delegierens. Wir delegieren einfach alles an uns selbst! Und zwar so schnell wie möglich. Wir sprinten mit Siebenmeilenstiefeln in die Arbeit, in die Nachmittagsbetreuung, in den Supermarkt, in die Reinigung, um anschließend noch schnell die Wäsche zu machen und die Wände zu streichen. Warum? Damit wir perfekt sind. Wozu? Damit wir uns nichts vorzuwerfen haben und alle uns mögen.

taylor swift apple
Taylor Swift weiß ihre Macht zu nutzen und zwang sogar den Megakonzern Apple im Streit um eine angemessene Bezahlung für Künstler in die Knie

Wenn wir an diesem abstrusen Sachverhalt etwas ändern wollen, sollten wir die Ohnmacht-Position in Richtung Macht verlassen. Zu diesem Zweck benötigen wir weder Algorithmen noch Militärorden noch eine Pumpgun. Wir brauchen bloß die richtigen Machtmittel. Hier eine Auswahl:

Machtmittel Nr. 1: Die Erkenntnis der wahren Prioritäten

Machen Sie sich frei vom übersteigerten Perfektionismus – der Suche nach dem Unmöglichen (den „100%“), bei der das Wort „Müssen“ eine zentrale Rolle spielt. Denken Sie nicht länger „Eigentlich möchte ich dies, eigentlich will ich das… doch leider muss ich jenes tun.“ Stellen Sie sich stattdessen die philosophische Grundfrage: „Wofür lebe ich?“ Versuchen Sie erst gar nicht, die perfekte Antwort zu finden. Lassen Sie die Frage auf sich wirken – werden Sie unabhängig von der Meinung anderer und übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben.

Machtmittel Nr. 2: Slow Motion

Hetzen Sie nicht länger, schreiten Sie durchs Leben. Das rasche, steife Marschieren leistungsbereiter Frauen ist kein Zeichen von Macht, sondern von Ohnmacht. Tun Sie alles, was Sie tun, langsamer. Stellen Sie die Schnappatmung ab. Seien Sie eine Schnecke. Entdecken Sie die Vorteile der Langsamkeit. Pflanzen wachsen nicht schneller, wenn man an ihnen zieht! Geben Sie Dingen und Menschen – auch sich selbst – Zeit zu wachsen und zu reifen. Und finden Sie eine Fülle von Möglichkeiten und Problemlösungen, die im Zustand des Dauer-Stresses verborgen bleiben. Machtvoll ist nicht die Frau, die alles möglichst noch gestern zu erzwingen sucht. Sondern die, die die Souveränität besitzt, auch mal zu warten und zu vertrauen.

Machtmittel Nr. 3: Zero Tolerance

Lassen Sie sich von überkommenen geschlechtsspezifischen Stereotypen (z. B. „Frauen sind artig und schweigsam“) nicht unterjochen. Zeigen Sie Ihre Potenz – vor allem, wenn Sie in einem Bereich arbeiten, wo Männer das Sagen haben. Signalisieren Sie in jeder Konferenz, jedem Meeting, jedem Briefing Leuten, die noch in den 1950er Jahren leben, Zero Tolerance. Seien Sie eine der ersten, die das Wort ergreifen. Reagieren Sie, wenn ein männlicher Kollege Ihre Ideen nachplappert (die Sie eine Minute zuvor geäußert haben). Machen Sie den Mund auf: Zeigen Sie den Plagiator an und beharren Sie auf Ihrem Urheberrecht für Ihre Gedanken. Seien Sie mutig. Tun Sie es für sich. Und für Ihre Kolleginnen, Freundinnen, Töchter.

Macht ist gut.

Rebekka Reinhard kleine philosophier der machtWer von Dr. Rebekka Reinhard mehr zum Thema Macht erfahren möchte, bestellt am besten gleich ihr soeben im Ludwig Verlag erschienenes Buch „Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen)“. Sie plädiert darin für ein radikales Umdenken: den Mut zur Macht. Denn Macht ist der Schlüssel zu Freiheit und Glück. Rebekka Reinhard stellt unkonventionelle und zugleich alltagstaugliche Strategien vor, um die weibliche Neigung zur Selbstausbeutung zu überwinden, sich von den Erwartungen anderer zu befreien und konsequent eigene Ziele zu verfolgen. Absolut lesenswert, mit vielen nützlichen Tipps, wie man sein Leben unabhängig und aktiv gestaltet. Philosophie für das echte Leben eben. 🙂 Zu bestellen bei Amazon.

 

Hey, ich bin Nicki und Gründerin von REBEL IN A NEW DRESS. Ich berichte Euch auf meinem Blog regelmäßig über die neuesten Styles, Fashion-Trends, Anti-Aging und Inspirationen für ein glückliches Leben.