RAUE SEE im Kopf

depressiv

Seit ein paar Wochen gehe ich fast jeden Morgen schwimmen. Trotz des fürchterlichen Wetters – 10 Grad und heftiger Dauerregen – zog es mich auch letzen Mittwoch ins Wasser. Es fühlte sich im Vergleich zur Außentemperatur herrlich warm an. Fast wie in der Badewanne. Die Oberfläche des Sees war sehr unruhig. Hohe Wellen rollten mir wild und ungleichmäßig entgegen. Während ich mich durch die grauen und dampfenden Fluten kämpfte, gingen meine Gedanken auf Wanderschaft. Ich dachte an eine liebe Freundin, die gerade eine schlimme Phase durchmacht und überall nur Dunkel sieht. Die jeden Morgen nach einem Sinn sucht, wieder aufzustehen und einen neuen Tag zu beginnen.

Wir versinken in den Fluten und ertrinken buchstäblich am Leben.

Die nächste Welle kommt und mit ihr der Gedanke: “Das Leben ist wie ein See.” An machen Tagen still, glatt und verführerisch glitzernd; an anderen voller Lebensfreude, bunter Farben und fröhlicher Aufregung. Und dann gibt es noch die Tage, an denen alles in unendlichem Grau versinkt. Dann verschmelzen Horizont und See und man verliert das Ziel aus den Augen. Die Wellenberge türmen sich wie Hochhäuser vor uns auf und egal wie schnell wir auch schwimmen, wir erklimmen nie den Gipfel. Wir versinken in den Fluten und ertrinken buchstäblich am Leben. Ich denke, das Gefühl kennen wir alle, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. Für einige ist es nur ein Sturm der durchzieht, für andere ein schwarzes Loch, das droht sie für immer zu verschlingen.

Depressiv zu sein, ist immer noch ein Tabu

Leider ist es in unserer Gesellschaft ein absolutes Tabu, schlecht drauf zu sein – oder noch schlimmer – depressiv zu sein. Irgendwie gehört es nicht zum guten Ton, auf die Frage: “Wie geht es dir?” mit “Beschissen!” zu antworten. Ich habe schon vor einiger Zeit auf den nicht konformen Wahrheitsmodus umgestellt. Und fahre ganz gut damit! Wir müssen nicht immer stark sein und wir müssen auch nicht immer funktionieren! Das ist absolut ok. Wichtig ist nur, dass wir uns Hilfe holen. Egal wo: bei Freunden, der Familie oder bei Experten. Denn Reden tut gut und geteiltes Leid, ist halbes Leid. Leere, Antriebs- und Hoffnungslosigkeit oder auch Angst legen oft das komplette Leben der Betroffenen lahm. Deshalb ist es wichtig zuzuhören, Mut zuzusprechen und bei alltäglichen Dingen unter die Arme zu greifen.

Nicht jede Depression hat ihren Ursprung in einem bestimmten Ereignis. Manchmal stimmt einfach die Chemie in unserem Körper nicht. Ein Bluttest bringt schnell Klarheit und zeigt vielleicht neue Behandlungsfelder auf. Gerade Frauen über 40 sind von gelegentlichen Stimmungstiefs geplagt. Viele erkennen oft nicht den Zusammenhang zwischen einem sich verändernden Hormonhaushalt und einer anhaltenden Herabgestimmtheit. Ein offenes Gespräch mit dem oder der Gynäkologen/in kann ein guter erster Schritt sein. Aber manchmal ist es vielleicht doch nicht ganz so einfach und die Ursachen für eine Depression liegen auch weiterhin im Dunklen. Viele trauen sich oft aus Unwissenheit, Verdrängung oder auch aus Schamgefühl nicht, zum Arzt zu gehen. Depressiv zu sein ist kein Einzelschicksal. In Deutschland sind rund 4 Millionen Menschen davon betroffen! Frauen doppelt so häufig, wie Männer.

An alle da draußen, bei denen gerade ein heftiges Tiefdruckgebiet im Kopf tobt: Schwimmt weiter! Wir brauchen und lieben euch! Ein Leben ohne euch ist unvorstellbar. Haltet durch! Auch wenn ihr es aus den dunklen Tiefen noch nicht sehen könnt, da ist schon ein goldener Streifen am Horizont!

 

Hey, ich bin Nicki und Gründerin von REBEL IN A NEW DRESS. Ich berichte Euch auf meinem Blog regelmäßig über die neuesten Styles, Fashion-Trends, Anti-Aging und Inspirationen für ein glückliches Leben.