Der Nebel in uns

Nebel

Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Vorgängen in der Natur und unserem Leben. Als ich die Tage beim Schwimmen im See war, wurde ich mir dessen wieder bewusst. Auf meinem Weg runter zum Wasser sah ich sie schon: dicke Wolken aus Nebel und Dunst, die schwer auf der spiegelglatten Oberfläche lagen. Die Temperatur war über Nacht schlagartig gefallen und das Thermometer am Steg zeigte minus 2 Grad. Ich lies mich ins Wasser gleiten und machte mich auf den Weg ins graue Nichts. Geräuschlos zog ich meine Bahnen in der Stille. Um mich dichter Nebel. Und plötzlich sah ich die Gemeinsamkeit! Ich spürte das Vakuum, von dem mir im Moment viele Frauen erzählen und das ich manchmal auch selbst fühle. In der Mitte unseres Lebens kommen wir an einen Punkt, an dem wir Dingen abschließen und zurücklassen. Viele Frauen zwischen 40 und 50 erfahren große Veränderungen: Ehen scheitern, Kinder ziehen aus, Jobs bringen keine Erfüllung und Freundschaften gehen zu Ende. Doch der Wandel findet nicht nur im Außen statt. Auch wir verändern uns. Die Nebenwirkungen des Lebens hinterlassen ihre Spuren auf unserem Körper und unserer Seele.

Die Nebenwirkungen des Lebens hinterlassen ihre Spuren auf unserem Körper und unserer Seele.

Während ich so dahin schwimme, schaue ich zurück. Schemenhaft sehe ich den Steg und vereinzelte Boote im Nebel. In Zeiten großer Umbrüche blicken wir auf unser bisheriges Leben und sehen es meist im Licht der Polarität. Wir erinnern uns an besonders schöne Momente und spüren wehmütig diesem unendlichen Glück nach oder fühlen den Schmerz, als das Leben uns mal wieder den Mittelfinger zeigte. Manche Wunden heilen langsamer als andere. Oft auch deshalb, weil wir einfach nicht von ihnen lassen können. Wir hegen und pflegen diese Verletzungen – zupfen an ihnen herum und öffnen sie immer wieder aufs Neue. Uns fällt es schwer los zu lassen und einen Schlussstrich zu ziehen. Vielleicht auch deshalb, weil wir durch einen Nebel aus Ungewissheit schwimmen. Vor uns ist noch kein Ziel in Sicht und hinter uns nur der Cocktail diverser Erinnerungen. Willkommen im Vakuum des Lebens!

Die zweite Etappe der Reise beginnt

Diese Ungewissheit macht vielen Angst. Vor allem, weil unsere Pläne und Ziele vor ein paar Jahren noch sehr konkret waren und alles leicht erschien. Karriere, Kinder und Eigenheim. Die klassischen Klischees. Jetzt an diesem Wendepunkt im Leben, haben wir einiges davon abgehakt und sind auf der Suche nach einer anderen Form der Erfüllung. Wir sind auf der Suche nach unserem eigenen Ich und nach dem, was uns tatsächlich glücklich macht. Und diese Reise ist um einiges schwieriger zu bewältigen, als die Wegstrecke, die hinter uns liegt. Denn um uns und unsere Bestimmung zu finden, müssen wir genau hinschauen. Die Themen, die das Leben mit sich bringt beleuchten, begreifen und loslassen. Der Blick ins innere Spiegelkabinett erfordert Mut, Geduld und den Willen zur Wahrheit. Aber letztlich erfahren wir eine Wendung nur durch uns selbst und unseren ersten Schritt in diese Richtung.

Trust the Process

Deshalb ist in unruhigen Zeiten die beste Devise: Schwimm weiter! Egal, wie dicht der Nebel auch ist, schwimm weiter und lass dich auf das ein, was kommt. Manchmal würde ich gerne mit meiner Hand den Dunst des Lebens einfach so wegwischen, wie an einer beschlagenen Glasscheibe, wenn ich mal wieder zu lange geduscht habe. Nur um ein wenig besser zu sehen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Aber so einfach ist das nicht! Im Nebel zu schwimmen erfordert Vertrauen. Vertrauen darauf, dass man am Ende auch ankommt. Darauf, dass man  genau da ist, wo man sein muss, um weiterzukommen und eine neue Dimension zu erobern. Vertrauen ist der Schlüssel zu innerem Frieden, Gelassenheit und Glück! Bleib bei dir und schwimm mit dem Fluss des Lebens. Du brauchst kein Licht, das dir den Weg weist. Du selbst bist das Licht und dein eigener Kompass!

 

10 Kommentare

    • Oktober 25, 2018 / 1:11 pm

      Vielen Dank, liebe Christina! Ich freue mich sehr über dein Feedback!

      Hab einen schönen Tag.

      Bussi
      Nicki

  1. Edith
    Oktober 24, 2018 / 2:38 pm

    Ich mag den Nebel,er hat was…..sehr gutgeschrieben. Danke LG Edith

    • Oktober 25, 2018 / 1:12 pm

      Danke schöne, liebe Edith!
      Herbstliche Grüße
      Nicki

  2. Oktober 24, 2018 / 9:12 pm

    Sehr schöne Gedanken, liebe Nicki. Besonders der letzte Satz gefällt mir!
    Liebe Grüße
    Reni

    • Oktober 25, 2018 / 1:13 pm

      Liebe Reni,

      ich freue mich, dass dir der Text gefällt. 🙂

      Hab einen wundervollen Herbst.

      Liebe Grüße
      Nicki

  3. Bettina
    Oktober 25, 2018 / 9:06 am

    Guten Morgen liebe Nicki!
    …du hast diese Nebelgefühle so wundervoll ausgedrückt…und dann das Schwimmen im Wasser des Lebens…
    Vertrauen, das kommt ja auch von sich trauen, sich treu sein. Was ist, wenn wir uns selbst begegnen, erkennen, im Trubel der ersten Jahrzehnte und in der Ungewissheit des Kommenden? Du hast es geschrieben: nur Mut, ein Schwimmzug nach dem anderen und sich vom Wasser tragen lassen.
    Schön dass es Dich gibt!
    Herzlichst Bettina

    • Oktober 25, 2018 / 1:15 pm

      Liebe Bettina,

      vielen Dank für deine lieben Worte und Gedanken. Ich habe mich sehr über deine Zeilen gefreut. Es ist schön zu sehen, dass einige Frauen genau so fühlen!

      Schön, dass es dich gibt! 🙂

      Bussi
      Nicki

  4. Nicole-Beatrice
    November 5, 2018 / 4:54 pm

    Ich bin schon lange stille Mitleserin, dazu auch eine „Nicki“ und ein Juni-Kind – allerding 1 Jahr jünger. Ich erkenne mich in deinen inspirierenden Beiträgen oft wieder – und freue mich, dass es andere Frauen gibt, die auf „altersgerechte“ Styles, Worte und Taten pfeifen. Kinder und Ehemänner gehörten bei mir nicht dazu und das Eigenheim kam erst mit 45. An diesem Beitrag flasht mich, dass du hier quasi meine Gedanken aufgeschrieben hast. Genauso ging und geht es mir – auch aufgrund der beginnenden körperlichen – äh hormonellen (-; – Veränderungen, die mich so langsam überkommen und die noch so gar nicht zu „mir passen“. „Go on to be a rebel“ und schreibe öfter so was!

    • November 7, 2018 / 9:11 am

      Liebe Nicole,

      ich habe mich sehr über deine Worte gefreut! Dein Feedback motiviert mich sehr und zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Danke schön!

      Es ist tatsächlich so, dass sich mit Mitte 40 eine Lücke auftut, zwischen dem was wir waren und dem was wir sein werden. Dieses Gap neu zu füllen, lässt Viele straucheln und manchmal fallen wir auch hin. Sich selbst zu finden und neu zu definieren ist kein einfacher Weg, aber es ist der Einzige und eine große Chance für jeden von uns.

      Ich wünsche dir eine wundervolle Herbstwoche mit vielen schönen Momenten.

      Liebe Grüße
      Nicki

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