DESTINATION STYLE

DESTINATION STYLE

Ich habe die letzen Tage viel über das Thema Style nachgedacht. Nicht zuletzt weil es bei REBEL IN A NEW DRESS eine tragende Rolle spielt. Und eine der Fragen, die ich mir stelle, ist: Wie stark beeinflusst unsere Umgebung, der Ort an dem wir leben, unser Styling? Ich wohne in München und hier geht es eher gemütlich und traditionell zu – um nicht zu sagen brav. Alles ist geregelt, ordentlich und recht nett anzuschauen. Und das spiegelt sich auch in den Looks, die man auf der Straße sieht, wider: adrett gemixt mit Luxus-Statement. Nach Paradiesvögeln und Edgy-People sucht man hier etwas länger. Aber es gibt sie! Und es ist schön, Menschen zu treffen, die den Mut und die Stärke haben, ihre Individualität zu leben. Ich merke das an mir selbst: Ich denke, dass ich meinen Style gefunden habe und trotzdem überrasche ich mich selbst immer wieder damit, dass ich mich in meiner Hometown manchmal zurücknehme, nicht immer Vollgas gebe und mich dadurch versuche anzupassen. Oft denke ich: „Neee das is nix für München“. Naja so ist das eben. Fragende und irritierte Blicke schafft man an dem einen Tag besser als an dem anderen. Je nachdem wie man gerade drauf ist. Am Ende ist das Einzige was zählt, dass man sich gut fühlt und mit einem Lächeln das Haus verlässt.

New York.001Paris und New York – der Styling-Marathon

Komme ich dann mal raus, hält mich nichts auf: Höher, schneller, weiter! Styling-Marathon. Fliege ich zum Beispiel nach Paris ist mein Koffer bis zum Platzen voll mit all den Dingen, die sonst nicht so oft raus dürfen. Und ich freue mich jeden Tag aufs Neue mit meinem Look Teil dieser wunderbaren Stadt zu sein. Mich auf sie einzulassen, auf den Flirt mit der lässigen Eleganz, die es nur in Paris gibt. Alles scheint mühelos und doch auf den Punkt. Ich sitze gerne entspannt im Café de Flore in Saint-Germain-des-Prés oder im Hôtel Costes auf der Rue Saint-Honoré und beobachte die Französinnen, die vorbei flanieren oder an den Nachbartischen sitzen. Ich lasse mich von ihrem Style und ihrer Attitude inspirieren.

Ich möchte auch gerne ein großes Stück von dieser französischen Leichtigkeit – am besten zum Mitnehmen.

In New York geht es immer ein bisschen verrückter oder cooler zu. Oder am besten gleich beides. Hier kann nix schief gehen, denn die Amerikaner sind recht offen und verteilen gerne Komplimente. Man legt keine 2 Blocks zurück ohne nicht mindestens einmal auf seine Klamotten oder seine Frisur angesprochen worden zu sein. Das tut gut. Und das ist das Schöne am Reisen: Neues zu entdecken – auch an sich selbst, in eine andere Rolle zu schlüpfen, sich selbst in einem anderen Kontext wahrzunehmen. Und New York ist das ideale Pflaster für Experimente. Ob auf dem Flohmarkt in Brooklyn oder in den abgefahrenen Gallerien in Chelsea.

travel and style.002Kyoto und die japanische Anmut

Ein Stylingerlebnis der besonderen Art hatte ich letztes Jahr. Ich war 3 Wochen in Japan und reiste ein bisschen durch das Land. Unteranderem war ich für einige Nächte in einem Ryokan. Das ist ein traditionelles japanisches Gasthaus und eine gute Möglichkeit Land und Leute kennenzulernen. Schon beim Check-in war alles anders. Ich wurde höflich gebeten, meine Schuhe auszuziehen und sie gegen ein Paar Plastiklatschen auszutauschen. Naja …. echt ein Downgrade. Angsterfüllt schaute ich meinen heißgeliebten Valentinos hinterher, die irgendwo in den Tiefen des Hauses verschwanden und hoffte inniglich, dass es ein Wiedersehen gibt. Auf dem Zimmer war schnell klar: Ich hatte mal wieder zuviel Gepäck dabei. Es hätte gereicht, ein paar Unterhöschen in eine Clutch zu packen, denn für alles andere war bereits gesorgt. Es gab einfache Kimonos für tagsüber, Prächtige für das Dinner, diverse Obis und Gürtel, eine Art Jacke, alle erdenklichen Kosmetikartikel und sogar Socken. Nach einer kurzen Einführung in die japanische Kunst des Kleidens und mehreren YouTube Videos, wie man diesen verflixten Obi bindet, ging es dann in voller Kimonopracht raus ins Getümmel. Am Ausgang des Ryokans war nix mit Valentino. Es gab Getas. Japanische Holzschuhe, die den Ungeübten zur Langsamkeit zwingen. Es war ein herrliches Gefühl in einem mir so fremden Outfit durch die Gassen des Örtchens zu schlendern. Ich fühlte mich plötzlich so japanisch.

Begriffe wie Anmut, Demut und Ehre – Grundelemente der Japanischen Kultur – bekamen eine viel größere Relevanz.

Die Reaktion auf meine Assimilation war großartig. Alle waren so offen und freundlich. Ich lernte viele bezaubernde Menschen kennen, die mir einen tieferen Einblick in das japanische Leben ermöglichten. Die Wertschätzung und das entgegengebrachte Interesse waren wundervoll. Zurück in Kyoto kaufte ich mir gleich einige Kimonos, denn die nächste Japanreise kommt bestimmt. Und dann wird der Koffer besser gepackt. Ganz minimalistisch: Kimonos und ein paar Unterhöschen.

travel and style.001Magisches Marrakesch

Doch es gibt auch Länder mit anderen Spielregeln. Geht die Reise in eine muslimische Region, sind die Anforderungen ganz andere und wir Frauen mit einem anderen Kultur- und/oder Religionsbackground müssen umdenken. Denn hier geht nichts Figur betonendes und die Haut sollte von den Hand- bis zu den Fußknöcheln bedeckt sein. Und ganz ehrlich ich finde es richtig, sich den Gepflogenheiten des Gastlandes etwas anzupassen und den Menschen dort Respekt und Anerkennung entgegenzubringen. Vor einigen Jahren bin ich nach Marrakesch gereist und als es ans Koffer packen ging, war ich anfangs recht ratlos. Denn offen gesagt stehe ich schon auf sexy Outfits. Meine Looks spielen gerne mit Gegensätzen und ich zeige gerne Haut: knappe Shorts mit lässigem Oberteil, bauchfreie Tops zu lockerer Hose. Naja, das musste ich jetzt alles über Bord werfen, ohne meine Personality aufzugeben. Nach einigen Experimenten vor dem Spiegel hatte ich dann meine Reisebegleiter zusammen: lange Röcke, Seiden-Shirts, Puffhosen und Tuniken. Das alles gemixt mit etwas Ethnoschmuck und diversen Tüchern und Schals. Ein völlig neues Lebensgefühl – auch wenn ich kein Kopftuch trug. Es war eine sehr schöne Erfahrung, die eigene Weiblichkeit in diesem ungewohnten Umfeld wahrzunehmen und von einer anderen, neuen Seite zu entdecken. Ohne den vordergründigen Sexappeal.

Merkwürdiger Weise habe ich mich sehr frei gefühlt. Vielleicht auch deshalb, weil ich zwar fremd war, mich aber nicht wie ein Fremdkörper gefühlt habe.

Es war wunderbar in diese Welt aus 1001 Nacht einzutauchen und sich von der Magie Marrakeschs einfangen zu lassen.

Also, letztlich lässt es sich einfach auf den Punkt bringen. Sowohl beim Reisen als auch beim großen Abenteuer Leben: Bleib dir selbst treu, sei neugierig und offen, probiere immer wieder Neues aus. Und ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören: „Weniger ist mehr“. Nein, manchmal macht gerade das kleine bisschen „Mehr“ extra viel Spaß :-).

 

4 Kommentare

  1. April 11, 2015 / 6:34 pm

    NEID! Wunderschöne Orte an denen du da warst.
    Ich kann super nachvollziehen, dass du dich manchmal zurückhälst. Mir geht es genauso. Damit ich nicht komisch angeglotzt werde, trage ich lieber normaler Klamotten, anstatt mich mal richtig auszuleben… Nur was tut man nun dagegen?
    Liebst, Ella. (oder auch: neuer Fan von deinem Blog)

    • April 11, 2015 / 6:40 pm

      Liebe Ella, vielen Dank für diesen schönen Kommentar.
      Mhm …… ich glaube, manchmal muss man einfach ein bisschen mutig sein und es trotzdem tun. Denk immer daran: Du machst das für dich und nicht für andere 🙂
      Noch ein schönes Wochenende
      Nicki

  2. April 21, 2015 / 9:06 pm

    Ein toller Post! Dein Schreibstil gefällt mir wirklich sehr! Ich kenne dieses Problem, ich komme aus einer ziemlich kleinen Stadt – da wird man schon schräg angeguckt wenn man einen Hut oder ein paar besondere High Heels trägt.. ich habe u.a. ein paar Monate in Rom gelebt und es echt genossen, dass mich niemand komisch angeguckt hat. Nicht mal, als ich an meinem letzten Tag im Schlafanzug rausgegangen bin, hihi.
    Viele Grüße,
    Ala

    • April 22, 2015 / 12:38 am

      Hello Ala, vielen Dank für diesen lieben Kommentar. Haha …. im Schlafanzug Das habe ich auch schon gemacht. Liebe Grüße Nicki

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