REBEL INSIDE: Mela Gruber über Kreativität und Freiheit

REBEL INSIDE: Mela Gruber über Kreativität und Freiheit

REBEL INSIDE ist eine neue Rubrik in der ich interessante Frauen, die mir in meinem Leben begegnen, vorstelle. Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, sich neu erfinden und Mut beweisen. In Interviews geben sie Einblick in ihr Leben und was sie antreibt. Den Anfang macht die Designerin Mela Gruber. Die Münchnerin hat zusammen mit ihrem Partner Florian Dressler vor einem Jahr Seven Elohim gegründet. Die Marke Seven Elohim gestaltet innovative Lichtobjekte, entwickelt ganzheitliche Architekturkonzepte und individuelle Möbeltypen. Basis ist die vedische Kosmologie, ein jahrtausendealtes, universitäres Wissen, dass sich als aktueller Kontrapunkt zum heutigen Lebensstil erweist. Die Raum- und Lichtkonzepte werden durch die Kombination hochwertigster Materialien realisiert. 

Ein eigener Showroom im Münchner Stadtteil Schwabing ist eine Manifestation des eigenen Anspruchs und dient bereits nach wenigen Monaten als Treffpunkt von Architektur, Design, Kunst und Corporate Business. Prominente Beispiele für ihr Schaffen sind zudem das Restaurant Chichi sowie die Theresa Bar in der bayerischen Landeshauptstadt.

Theresa Bar in München

Theresa Bar in München

Nicki: Liebe Mela, was hat dich dazu motiviert, mit Seven Elohim ein eigenes Unternehmen aufzubauen? Das ist ein großer Schritt …

Mela:  So lange ich denken kann, habe ich Möbel, Tische, Sofas selbst designed und gebaut, Lampen gestaltet und im Familienbetrieb Wohnungen renoviert. Die Ambition, etwas Schönes zu gestalten, hatte ich also schon immer. Als sich dann privat große Veränderungen ergaben – meine vier Kinder waren inzwischen groß – stellte sich mir die Frage: Was mache ich nun mit meiner Zeit? Als mein Partner Florian und ich uns kennengelernt haben, kam eines zum anderen und nach ersten gemeinsamen Projekten bald der Entschluss, unserer Leidenschaft für das Gestalten eine unternehmerische Form zu verleihen. Unser erstes gemeinsames Projekt war der Umbau des Treppenhauses und einer Wohnung im berühmten Haupthaus von Feinkost Käfer.

Nicki: Wenn zwei Kreative zusammenarbeiten ist das ja nicht immer so einfach. Wie funktioniert das bei euch?

Mela: Ich glaube, außer mit dem Lebenspartner gibt es keine intimere Begegnung als mit jemandem, der dir dein Haus oder deine Wohnung gestaltet. Da muss man sehr vorsichtig und sensibel vorgehen. Es muss genau zu der jeweiligen Person und ihren individuellen Lebensablauf passen. Die Farbe, die Stoffe und das Gesamtkonzept müssen die Seele der Person zur Entfaltung bringen. Ich muss fühlen, dass alles genau zusammenpasst. Das hat viel mit Intuition zu tun. Und Florian ist genauso. Wenn wir zusammen arbeiten, dann spüren wir uns während wir etwas entwerfen. Wir wissen genau, wann wir uns jeweils zurück nehmen und wann wir fordern müssen. Florian trägt als Architekt zudem die architektonische Linie in die Projekte hinein.

Ich glaube, außer mit dem Lebenspartner gibt es keine intimere Begegnung als mit jemandem, der dir dein Haus oder deine Wohnung gestaltet .

Nicki: Wenn neue Projekte reinkommen, gibt es da wie bei einem Schriftsteller die Angst vor dem weißen Blatt Papier?

Mela: Nein, das liegt vor allem daran, dass die meisten Kunden bereits mit bestimmten Vorstellungen zu uns kommen. Ich höre dann zunächst erst einmal sehr genau zu und tausche mich aus. Ein wichtiger Aspekt für mich sind vor allem die Räumlichkeiten selbst. Ich versuche, zu verschiedenen Tageszeiten in die Räumlichkeiten zu gehen. Woher kommt das Licht? Wie ist insgesamt die Atmosphäre? Ich versuche so viel Zeit wie möglich vor Ort zu verbringen. Danach geht es an eine intensive Recherche, um Querverbindungen herzustellen. Für das Restaurant Chichi habe ich beispielsweise umfangreich über die 20er Jahre recherchiert. Was machte diese Epoche aus? Und am Ende gilt: Je mehr Zeit für die Recherche, desto besser ist schließlich das kreative Ergebnis.

Mela Gruber und ihr Partner, der Architekt Florian Dressler

Mela Gruber und ihr Partner, der Architekt Florian Dressler

Nicki: Wo holst du dir deine Inspiration?

Mela: Dinge, die anders sind. Menschen, die anders sind. Da, wo bei mir der Funke überspringt. Tolle Männer, Frauen, Entwürfe anderer Designer und große Architekten natürlich wie Peter Zumthor oder David Chipperfield. Alles was die machen ist eine Inspiration. Dabei geht es aber nicht darum zu kopieren, sondern für den Kunden einen gewissen Zeitgeist und ein Lebensgefühl einzufangen. Eine weitere Quelle der Inspiration ist zudem das älteste Wissen, wie zum Beispiel die vedische Kosmologie. Dabei geht es um die Frage, wie kann ich Räume so gestalten, dass Energien optimal fließen und die Menschen sich darin wohl fühlen. Das ist kein Hokuspokus, keine Esoterik,  sondern rein faktisches Wissen, das über Generationen weitergegeben wird.

Nicki: Gab es weitere Wegbereiter für dich auf dem Weg zum eigenen Unternehmen?

Mela: Ja, es waren sehr gute Freunde, die an mich geglaubt und mir eine Chance gegeben haben. Ich sollte ein Treppenhaus für sie in einem Schwarz-Weiß-Konzept gestalten. Und hier lag auch schon das Problem: Das Konzept hätte überhaupt nicht zu dem Treppenhaus gepasst. Ich habe also abgelehnt und gesagt, es muss ein anderes Konzept her. Sie haben mir vertraut und gesagt – na dann mach! Und so habe ich ein Treppenhaus mit der Ambition gestaltet, dass man sich auch noch in 30 Jahren daran erfreuen kann. Schön, unaufdringlich und leise. Also entsprechend meiner Philosophie, dass alles und jeder eine individuelle Lösung braucht, die den Gegebenheiten vor Ort gerecht wird.

seven elohim

Kunstraum: die Büroräume von Seven Elohim

Nicki: Wie sieht es denn bei dir zuhause aus? Wie bist du da eingerichtet?

Mela: Wir wohnen in einer Art „Hexenhäuschen“. Da gibt es keine gerade Wand – also ganz anders als hier im Büro. Wir haben einen bunten Mix aus Vintage und Designklassikern. Alles ist so, dass es genau zu diesem Haus passt. In einem anderen Haus würde ich wiederum ganz anders wohnen.

Nicki: Auf welches Designstück könntest du gar nicht verzichten und würdest du auf jeden Fall auf eine einsame Insel mitnehmen?

Mela: Ich würde mich gar nicht fragen, was ich aus meinem alten Leben mitnehmen will, sondern wie ich mein neues Leben auf der Insel gestalten kann. Denn auf eine Insel passt nichts von den Dingen, die mir hier am Herzen liegen, die ich hier genial, formvollendet und toll finde. Ich würde dort versuchen, mit einfachem Leinen und den Materialien der Insel eine Strandhütte zu bauen. Ich würde sehen, dass ich mich genau in dieses Umfeld integriere. Ich würde versuchen die Essenz zu finden und gewohnte Materie wieder aufzulösen. Einfach ausgedrückt heißt das: Auf einer einsamen Insel brauche ich nichts von den Dingen, die ich hier liebe.

Ich würde mich gar nicht fragen, was ich aus meinem alten Leben mitnehmen will, sondern wie ich mein neues Leben gestalten kann.

Nicki: Wie du das beschreibst, klingt das sehr frei. Du gehst durch das Leben und bist jederzeit bereit etwas Neues zu machen …

Mela: Absolut. Und ohne das hätte ich mich nie getraut, diesen riesigen kaufmännischen Schritt mit all dem damit verbundenen Investment und Risiko zu machen. Gleichzeitig ist das zudem die Essenz des kreativen Schaffens: Dinge kreieren und wieder verwerfen, kreieren und wieder verwerfen – solange bis etwas perfekt ist. Und auch nicht Ruhe zu geben, bis es tatsächlich so ist. Das kann manchmal für alle Beteiligten sehr anstrengend sein.

Lampe in Theresa Bar

Lichtobjekt in der Theresa Bar

Nicki: Abschließend stellt sich mir die Frage nach deinem Lebensmotto …

Mela:  Go with the flow! Zeige Lernbereitschaft, unterstütze den Wandel zu etwas Besserem und entwickle dich weiter. Das Bessere ist aber natürlich sehr subjektiv. Der eine findet das besser, der andere das. Ich kann nur mein Wissen und meine Fähigkeiten den Menschen zur Verfügung stellen und sie entscheiden lassen, ob sie sie verwenden wollen oder nicht. Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit, möchte aber Mut machen, Dinge zu verändern.

Nicki: Liebe Mela, vielen lieben Dank für das inspirierende Gespräch.

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