REBEL INSIDE: Sabine Utz über Körper und Geist

REBEL INSIDE: Sabine Utz über Körper und Geist

Ich habe Sabine Utz in meiner Zeit in Wien kennengelernt. Sie hat dort im 4. Bezirk mit ihrem Lebensgefährten Philipp Schrems das äußerst erfolgreiche und coole Bikram Yoga Loft aufgebaut. Ich war regelmäßig dort und habe mir die Seele aus dem Leib geschwitzt. Und dabei Sabine als liebenswerte Powerfrau kennengelernt.

Doch was ist eigentlich Bikram Yoga? Lesen wir mal bei Wikipedia nach:

Bikram Yoga ist eine Hatha-Yoga-Methode und wurde von dem indischen Yogameister Bikram Choudhury entwickelt. Bikram Choudhury wurde 1946 in Kalkutta geboren. Bikram Yoga ist eine markengeschützte Serie von 26 Yoga-Übungen, die in einem heißen Raum praktiziert werden (bei ca. 35-40 Grad Celsius). Allgemein ist Bikram Yoga als Hot Yoga bekannt und ist mit mittlerweile über 1.200 Schulen weltweit eine recht populäre Yogaart. Der heiße Raum soll eine sichere Muskel- und Sehnenarbeit möglich machen und das Schwitzen soll den Körper „entgiften“.

Soviel also zur Einführung und jetzt geht’s auch schon los mit dem Interview: 😉

Sabine Utz

Sabine Utz: gut gelaunt von der morgendlichen Yoga Klasse direkt ins Interview

Liebe Sabine, du bist heute eine sehr erfolgreiche Yogalehrerin mit einem tollen Studio hier in Wien. Wie sah dein Leben aus bevor du ein Yogi wurdest?

Ich habe 10 Jahre beim Film gearbeitet – als freischaffende Regie Assistentin.

Die Arbeit beim Film ist ja für viele ein Traumjob. Was hat dich dazu bewogen, das aufzugeben?

Im Wesentlichen war der Auslöser ein Ortswechsel von München nach Wien aus privaten Gründen. Ich musste alle meine Kontakte in die deutsche Filmindustrie aufgeben und in Österreich ein neues Netzwerk aufbauen. Ich war ständig nur auf Reisen, habe kaum meine Wohnung gesehen und nach zwei Jahren führte der Druck zu einem handfesten Burnout. Ich stellte alles in Frage: meinen Job, meine Beziehung, mich selbst … Ich habe dann mit meinem Freund eine einjährige Auszeit genommen und bin auf Reisen gegangen. Nach einem letzten Job beim Film nach meiner Rückkehr war mir dann klar, dass ich etwas mit mehr Tiefgang machen möchte, das mich auch selbst weiterbringt. So kam ich auf die Idee, Yogalehrerin zu werden.

Bist du dann gleich auf das Bikram Yoga gekommen oder hast du auch andere Formen ausprobiert?

Ich hatte schon in meiner Zeit in München sehr viel Yoga in unterschiedlichen Schulen praktiziert und bin dann in Wien zufällig in ein Bikram Yoga Studio gestolpert. Das hat mir sofort getaugt und ich bin hängen geblieben. Ich habe ein halbes Jahr nur Yoga gemacht und anschließend in Acapulco bei Großmeister Bikram Choudhury persönlich die Ausbildung abgeschlossen.

bikram yoga loft

Sieht aus wie New York, ist aber Wien: das Bikram Yoga Loft

Bikram Choudhury gilt als eine sehr polarisierende Person. Was hast du von ihm mitgenommen? 

Ich war am Anfang sehr skeptisch und habe viele Dinge in der Ausbildung nicht verstanden. Er hat eine sehr direkte Art, mit Menschen umzugehen und man hat das Gefühl, dass er durch einen hindurchsehen kann. Er hat dadurch, dass er schon Tausende in Yoga unterrichtet hat, ein unglaubliches Gespür für Menschen. Die Wahrheit ist für viele Menschen nicht leicht und deshalb polarisiert er auch. Ich persönlich respektiere ihn sehr und er ist mein Lehrer. Ein Satz, den er immer wieder sagt, ist: Having doesn’t mean anything if you don’t know how to use it. Das bedeutet, es muss dir klar sein, wie du Dinge angehst und wie du sie nutzt.

Für viele ist Bikram Yoga ein Geheimtipp, um abzunehmen, oder?

Das ist einer der Mythen, die sich jahrelang gehalten haben. Genauso wie die Legende, dass man in einer Klasse 1.000 Kcal verbrennt. Das stimmt nicht. In einer aktuellen Studie wurde alles mögliche getestet, unter anderem auch wie viele Kcal man während einer Klasse verbraucht. Dabei kamen im Durchschnitt circa 350 Kcal heraus, die man verbrennt. Abnehmen ist sicherlich der wichtigste Grund warum die Menschen zu uns kommen, da dies auch durch die Medien gepusht wurde. Aber auch eine Verbesserung der Beweglichkeit ist ein Grund. Manche wollen es aber auch nur einfach mal ausprobieren und sehen Bikram Yoga als eine Art Mutprobe.

Du warst schon Europameisterin im Bikram Yoga. Wie passt das zusammen: Wettkampf und Yoga Philosophie?

Eigentlich ist es kein Wettkampf sondern eine Vorführung, eine Demonstration. Man präsentiert sein bestes Yoga vor Zuschauern und ja, es wird bewertet, aber das steht nicht im Vordergrund. Es ist eine lange Tradition in Indien, dass verschiedene Yoga Schulen gegeneinander antreten und ein bisschen „battlen“. Das ist vor allem aber ein Wettkampf mit sich selber: Man hat drei Minuten Zeit, vor Publikum absolut fokussiert seine Übungen durchzuführen.

Bikram Yoga Sabine UtzTrainierst du für diese Art Meisterschaften heute noch?

Nein, für mich selbst nicht, aber ich trainiere andere. Für die Österreichischen Meisterschaften habe ich zuletzt insgesamt 18 Leute trainiert – Männer wie Frauen. Davon haben es 4 geschafft, sich für die Europameisterschaften in Prag zu qualifizieren. Eine meiner Schülerinnen ist dort immerhin 7. geworden.

Ich habe dich immer als Kämpferin und Perfektionistin gesehen. Jemand der dafür kämpft, dass die Yoga-Übungen bei sich selbst und anderen perfekt sind. Ist das richtig?

Im Prinzip ja. Mir sind Genauigkeit, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sehr wichtig. Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort Mindfulness. Das gehört im Yoga einfach dazu. Du willst im Yoga durch diese Tugenden deinen Körper und Geist in Einklang bringen. Und das möchte ich natürlich auch meinen Schülern vermitteln. Es ist einfach wichtig, dass man sich nicht schludrig und schlampig durch die 90 Minuten einer Bikram Yoga Session mogelt, sondern dass man mit Achtsamkeit, Disziplin, aber auch Spaß an die Sache rangeht. Denn je genauer man arbeitet, desto besser können die Positionen therapeutisch wirken.

Bist du privat auch so diszipliniert?

Nein. Ich habe gelernt, dass es im Leben nicht wichtig ist, ob die Geschirrtücher auf gleicher Höhe hängen oder man die Zahnpastatube von hinten oder vorne drückt. Denn so war das früher bei mir. Durch das Yoga lernt man, loszulassen. Das meiste lerne ich bei Ausbildungen oder Workshops. Gerade habe ich eine Woche Yogatherapie-Ausbildung hinter mir – das hat mich extrem runtergefahren. Danach war ich zutiefst entspannt.

Ich habe gelernt, dass es im Leben nicht wichtig ist, ob die Geschirrtücher auf gleicher Höhe hängen oder man die Zahnpastatube von hinten oder vorne drückt.

Beim Bikram Yoga führst du als Lehrerin deine Schüler nur über die Stimme und durch deine Präsenz. Wie schaffst du es, dass alle tun, was du sagst?

Wenn ich eine Yoga Klasse gebe, ist es das Wichtigste, authentisch zu bleiben. Es gibt nichts Schlimmeres, als bei jemandem eine Yoga Stunde zu machen, dem du kein Wort glaubst. Du musst glaubwürdig und kompetent rüberkommen. Ich versuche meinen Schülern nur das weiter zu geben, was ich wirklich weiß und was mich aktuell beschäftigt. Jeden Tag passieren die erstaunlichsten Dinge und man kann sich aus allem eine Lebensweisheit herausziehen. Das baue ich in meine Klassen ein. Ich unterrichte nun schon seit 7 Jahren und habe mich natürlich weiterentwickelt. Mit der Zeit findet man heraus, wie man die Leute erreicht. Ob das nun durch Körpersprache oder durch Rhetorik ist. Mit der Erfahrung steigt auch die Einschätzungskraft: Man kann viel schneller sehen, was ein Schüler braucht oder gerade verträgt. Es gibt Menschen, die stehen darauf, wenn ich sie während der Klasse anschreie. Das sagen sie mir auch. Es gibt aber auch Schüler, die würden in diesem Falle sofort den Raum verlassen. Hilfreich ist es natürlich, wenn sich eine Lehrer-Schüler-Beziehung über Jahre entwickelt und man sich kennt und vertraut.

Jeden Tag passieren die erstaunlichsten Dinge und man kann sich aus allem eine Lebensweisheit herausziehen.

Glaubst du, dass man zur Kämpferin geboren ist oder kann man das auch lernen?

Es gibt da sicherlich unterschiedliche Ebenen. Kämpfer ist nicht gleich Kämpfer. Wahrscheinlich trägt jede Frau grundsätzlich schon die Kämpferin in sich. Aber es hängt sehr von den Lebensumständen ab, wie sich der Kämpfer in dir entfaltet. Wenn du mit 35 dein eigenes Geschäft aufmachst, viel Geld investierst und nicht weißt, ob das etwas wird: Klar musst du dafür kämpfen. Das ist aber nicht negativ. Wir haben das Bikram Yoga Loft jetzt vier Jahre und es gab Phasen, in denen es hart war und es gab Phasen, da hatte ich nicht das Gefühl, ich muss jetzt arbeiten gehen. Weil es einfach so viel Spaß macht.

Was waren die harten Phasen?

Gerade am Anfang haben wir unnötige Anfängerfehler gemacht. Zum Beispiel hatten wir keine Zeitschaltuhr für die Heizstrahler und mussten jeden Tag um 5 Uhr aufstehen, um den Raum aufzuheizen. Wir hatten auch keine Reinigungskraft und haben am Ende des Tages auch noch geputzt. Wir waren also jeden Tag von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr abends eingespannt. Zum Glück mache ich das mit meinem Partner zusammen, sonst hätten wir uns zu der Zeit gar nicht mehr gesehen.

bikram yoga loft

Wer viel schwitzt muss viel trinken: Ruhezone im Bikram Yoga Loft

Wie ist das, in einer Partnerschaft so ein Business aufzubauen und zu führen?

Wir sind ein super eingespieltes Team und das tut extrem gut. Diese Woche ist Phil nicht da und ich tue mich teilweise schwer, Entscheidungen zu treffen. Einfach weil er mir fehlt. Wir haben auch keine Regeln aufgestellt, wie zum Beispiel nicht zuhause über den Job zu reden. Wir haben lediglich das Schlafzimmer zur internetfreien Zone erklärt.

Was gibt dir Kraft, so weiterzumachen? Im Job wie im Leben?

Ich sehe meinen Job nicht als Job, sondern als Berufung. Ich schöpfe meine Kraft aus der Resonanz meiner Schüler – positiv wie negativ. Yoga schminkt die Leute total ab. Du siehst ihr Feedback in ihrem Gesicht, in ihren Augen. Wir haben hier eine wunderbare Community geschaffen. Dabei geht es aber nicht darum, wie viele Fans wir auf Facebook haben oder Follower auf Instagram. Wichtig ist der persönliche Kontakt und dass man sieht, wie die Leute sich verändern und entwickeln. Ich freue mich einfach, wenn ein Anfänger eine schwierigere Position das erste Mal schafft. Das ist einfach toll! Im Leben treibt mich meine Neugier und Wissbegierde an – und ja, auch da geht es meist um Yoga. Außerdem reise ich sehr gerne und gehe mit offenen Augen durch das Leben, um so viel wie möglich davon aufzusaugen.

Yoga schminkt die Leute total ab. Du siehst ihr Feedback in ihrem Gesicht, in ihren Augen.

Hast du ein Lebensmotto?

Follow your bliss. Denn darum gehts: Spaß haben, seine Glückseligkeit finden. Davon solltest du jeden Tag mindestens einen Moment haben.

Kann man sagen, dass ein flexibler Körper einen flexiblen Geist bewirkt?

Ich würde sagen ein offener Körper einen offenen Geist. Durch das Yoga habe ich nicht mehr so viele Vorurteile wie früher und ich bin auch nicht mehr so bewertend wie früher. Gerade wir Mädels mustern und bewerten uns ja sofort gegenseitig. Und natürlich mache ich das auch – ich denke mir dann aber: Lass es sein, das bringt doch nichts.

Welche Rolle spielt für dich Spiritualität? Bikram Yoga ist hier ja doch unterschiedlich zu klassischen Yoga Formen.

Bikram Yoga kann sehr spirituell sein, je nachdem was du daraus machst. Grundsätzlich ist die Spiritualität in den Klassen aber schon eher abgespeckt. Du sollst über deinen Körper zu deiner eigenen Spiritualität finden, ohne dass dir jemand eine bestimmte Spiritualität überstülpt. Das finde ich persönlich sehr angenehm, da ich in meiner täglichen Routine nicht der Typ für lange Meditationen bin.

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