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FRANZISKA VON LEWINSKI: Das Social Web ist wie das wahre Leben

FRANZISKA VON LEWINSKI: Das Social Web ist wie das wahre Leben

Was bedeutet die Digitalisierung für uns Frauen? Ist sie für uns von Vorteil oder ein Risiko? Der digitale Fortschritt verändert die Welt – und am Ende auch das Frauenbild? Spannende Fragen, denen ich mit einer absoluten Expertin auf den Grund gehen möchte. Franziska von Lewinski ist Vorstandsmitglied der Agentur fischerAppelt, einer der größten, unabhängigen Kommunikationsagenturen des Landes. Dort verantwortet sie den Bereich Digital und Innovation. Sie weiß also wovon sie spricht. Kürzlich wurde sie von dem Blog Edition F unter die 25 Frauen gewählt, die im Jahr 2025 einen Vorstandsposten in einem DAX Konzern bekleiden sollten. Franziska ist Mutter zweier Kinder und verheiratet.  

Nicki: Es ist ja durchaus nicht selbstverständlich, dass eine Frau im digitalen Bereich eine Führungsposition einnimmt – zumindest in Deutschland. Wie kam es dazu?

Franziska: Ich habe Ingenieurwesen studiert und war von 1998 bis 2000 in London tätig. Damals wurde viel darüber gesprochen, was passieren wird, wenn zur Jahreswende das Datum von 1999 auf 2000 umschlägt. Keiner wusste, wie die IT-Infrastruktur darauf reagieren wird. Mein damaliger Freund arbeitete für die zu der Zeit größte News Website BBC.co.uk und beobachtete gespannt die Rechner. Diese Spannung hat mich in den Bann gezogen, danach habe ich mich mit den digitalen Medien beschäftigt und Programmieren gelernt. Ich war – und bin immer noch – fasziniert davon, wie die digitalen Kanäle die Welt verändern und zusammenwachsen lassen. Ich entschied mich, den Job zu wechseln und kehrte nach Deutschland zurück.

Nicki: Was bedeutet das für uns Frauen? Welche digitalen Plattformen werden von Frauen besonders genutzt?

Franziska: Statistiken zeigen, dass wir Frauen in den sozialen Netzen aktiver sind als Männer – insbesondere auf Plattformen, die visuell geprägt sind, wie Pinterest oder Instagram. Es ist also wie im echten Leben: Wir sind auch im Web die aktiveren Kommunikatoren.

instagram

Instagram hat inzwischen über 300 Millionen Nutzer

Nicki: Wie wird sich Social Media weiterentwickeln? Was werden die Trends sein?

Franziska: Im Social Web wird es immer wieder neue Plattformen geben – so wie auch immer wieder neue Bars aufmachen und die Bars, die nicht mehr en vogue sind, geschlossen werden. Ein Trend ist, den Fokus auf das  „Hier und Jetzt“ zu legen. Darauf setzen beispielsweise der Video-Messaging-Dienst Snapchat und Periscope – mit der App lässt sich live streamen. Snapchat ist bei Teens stark im Kommen. Alles was dort gepostet wird, verschwindet wieder. Auch Marken experimentieren bereits mit Snapchat.

Es ist also wie im echten Leben: Wir Frauen sind auch im Web die aktiveren Kommunikatoren.

Nicki: Welche Tipps kannst du Frauen geben, um in den Sozialen Medien zu bestehen? Gibt es bestimmte Regeln, die man befolgen sollte? 

Franziska: Es gilt: Wie wir Frauen in der Wirklichkeit bestehen, so bestehen wir auch im Social Web. Man sollte sich also immer die Frage stellen: Wie würde ich mich in der Realität verhalten?

Nicki: Was denkst du, wo in den nächsten Jahren die wirklich großen Innovationen sein werden?

Franziska: Ein großer Trend ist, dass alles „smart“ wird. Alles wird ans Internet angeschlossen und dadurch intelligent. Hier stehen wir noch ganz am Anfang. Es werden viele digitale Helfer erfunden, die unser Leben im positiven Sinne verändern werden. Ich sehe darin eine  große Chance. Ein Beispiel hierfür ist der Sproutling Baby Monitor. Dies ist ein Baby-Band für den Fuß, das Herzfrequenz, Position und Bewegungen eines Kindes aufzeichnet. Über eine App wird dann angezeigt, wie das Kind schläft und wann es aufwachen wird. Das ist doch super! Die Kunst ist es, diese Helferlein richtig einzusetzen.

Digitales Helferlein: Sproutling Baby Monitor lässt Eltern ruhiger schlafen

Digitales Helferlein: Der Sproutling Baby Monitor lässt Eltern ruhiger schlafen

Nicki: Siehst du denn größere Risiken mit dem technischen Fortschritt auf uns zukommen?

Franziska: Datensicherheit ist ein wichtiges Thema. Denn Datensicherheit ist wie die Hygiene auf der Toilette – sie muss einfach gewährleistet sein! Wenn dem so ist, dann stecken viele Chancen in der Generierung von Daten. Nutzt man beispielsweise eine App, die den Schlaf von Kindern aufzeichnet, werden viele Daten generiert. Die Analyse dieser Daten können uns viele neue Erkenntnisse liefern.

Datensicherheit ist wie die Hygiene auf der Toilette – sie muss einfach gewährleistet sein!

Nicki: Wie beeinflussen die Sozialen Medien das Frauenbild – gerade wenn man den Schönheitswahn auf Plattformen wie Instagram sieht?

Franziska: Ich denke, dass vor allem viel Positives für uns Frauen im Social Web steckt. Denn die Sozialen Medien können uns helfen, an unserer Sichtbarkeit zu arbeiten. Außerdem ist der Schönheitswahn ja kein Phänomen des Social Webs.

Nicki: Wie meinst du das mit der Sichtbarkeit?

Franziska: Mit Blick auf die Gesellschaft und im Beruf: Männer sind viel besser in der Eigen-PR. Wir Frauen sind sehr viel kritischer mit uns – im Privaten wie im Beruf. Also lasst uns darüber sprechen, was wir Gutes tun, was wir erreicht haben und was uns beschäftigt. Um dann die sozialen Medien dazu zu nutzen, dies zu multiplizieren.

Die Sozialen Medien können uns Frauen helfen, an unserer Sichtbarkeit zu arbeiten.

Nicki: Wie siehst du den Gap zwischen dem Bild in der digitalen Welt und der Realität?

Franziska: Die Technik macht es heute leichter, das eigene Bild zu optimieren – früher war das Profis vorbehalten. Der Druck, gut auszusehen, wird weiter verstärkt. Und das ist schlimm. Wir sollten viel liberaler sein – mit unserem eigenen Aussehen und dem von anderen.

Selbst Top-Models wie Miranda Kerr sind bekannt dafür, Beauty Apps für ihre Selfies zu verwenden

Selbst Top-Models wie Miranda Kerr verwenden angeblich Beauty Apps für ihre Selfies

Nicki: Nochmals mit Blick auf die Arbeitswelt: Kannst du dir vorstellen, dass Mitarbeiter eines Tages aufgrund ihrer Followerzahlen ausgewählt werden?

Franziska: Das kann ich mir nicht vorstellen – das sind zwei paar Schuhe. Die eigene Reichweite und die fachliche Qualifikation. Es sei denn, die Reichweite ist Teil der Qualifikation, wie bei dem Einsatz von Testimonials.

Nicki: Kann man davon ausgehen, dass wir Frauen als die kommunikativ Stärkeren in Zukunft bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden?

Franziska: Das glaube ich nicht. Ich würde mich freuen, wenn wir endlich mal die gleichen Chancen haben. Es hat sich einfach noch nicht genug getan. Obwohl wir fachlich gleich auf sind, gegebenenfalls sogar eine höhere emotionale Intelligenz haben und mit dem Wandel durch die Digitalisierung besser zurechtkommen – wie eine Studie von KPMG zeigt. Die Kultur in den Führungsetagen muss sich verändern und dazu braucht es mehr als eine Frau in diesen Gremien.

Der Druck, gut auszusehen, wird weiter verstärkt. Und das ist schlimm. Wir sollten viel liberaler sein – mit unserem eigenen Aussehen und dem von anderen.

Nicki: Dann hast du dich über die Nominierung von Edition F gefreut?

Franziska: Ich habe mich sehr gefreut – vor allem habe ich mich über die tolle Initiative von Edition F gefreut. Denn wir können uns gegenseitig nicht genug Mut machen.

Nicki: Kommen wir mal zum Thema Shopping.

Franziska: Ah, sehr gut! (lacht)

Nicki: Wir Frauen sind ja Weltmeister im Shopping und E-Commerce hat vieles erleichtert – aber wo geht hier die Reise hin?

Franziska: Tatsächlich haben wir Ladies auch im E-Commerce statistisch gesehen die Nase vorne. Auch ich kaufe alles online, bis auf Lebensmittel und Drogerieartikel. Convenience, das Produktangebot oder Preis sind die Haupttreiber für Online-Bestellungen. Dementsprechend entwickelt sich auch das E-Commerce Angebot. Es entstehen immer neue Mehrwert stiftende Services, wie Abo-Modelle oder Cross-Channel Konzepte,  bei denen das online und offline Angebot eng verzahnt wird. Ich kann beispielsweise online bestellen, die Ware im Handel umtauschen oder gleich dort abholen, wenn dies bequemer für mich ist. Amazon, Audi und DHL haben gerade ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Bestellung in den Kofferraum geliefert wird. Wie praktisch! Das Auto wird also zum Service-Touchpoint.

Lieferung direkt in den Kofferraum: Pilotprojekt von DHL, Audi und Amazon

Lieferung in den Kofferraum: Pilotprojekt von DHL, Audi und Amazon

Nicki: Mir ist es letztens wieder passiert, dass ich in einem Online-Shop ein Produkt recherchiert habe und wenig später auf Facebook eine Anzeige mit genau diesem Produkt erschien. Das Thema Datentransparenz kann in diesem Kontext schon manchmal unheimlich sein. Wie bewertest du das?

Franziska: Diese Art des Online-Marketings ist mittlerweile Standard. Es wird durch Cookies gesteuert. Ich finde dies nicht spooky. Denn ich sehe lieber eine Anzeige, die auf meine Interessen zugeschnitten ist als eine Anzeige, die mich nur „nervt“. Persönlich von Marken bedient zu werden ist übrigens die Erwartung, der Konsumenten, wenn sie  ihre Daten Preis geben. Dies bestätigen Studien und mir persönlich geht es ganz genauso. Aber ich überlege mir auf der anderen Seite sehr genau, wem ich was von mir erzähle.

Nicki: Ganz anderes Thema: Was inspiriert dich?

Franziska: Ich ziehe sehr viel Inspiration aus der Kombination von Familie und Beruf. Die Veränderungen und Möglichkeiten durch die fortschreitende Digitalisierung faszinieren mich auch nach 14 Jahren noch. Dies kombiniert mit dem kreativen Umfeld unserer Agentur gibt mir viel Energie.

Nicki: Und was ist dein Lebensmotto?

Franziska: Über das, was ich nicht ändern kann, ärgere ich mich nicht. Das, was ich ändern kann, ändere ich.

Liebe Franziska, herzlichen Dank für das äußerst interessante Gespräch.

 

2 Kommentare

  1. Juli 27, 2015 / 6:37 pm

    ein wirklich wunderbares Interview liebe Nicki! er regt zum einen sehr zum nachdenken an, zum anderen saß ich vor dem Laptop und habe mitgenickt! der Beitrag zeigt, dass wir Frauen einiges verändern können, denn Franziska scheint das beste Beispiel zu sein!

    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

    • Nicki
      Autor
      Juli 29, 2015 / 1:54 pm

      Liebe Tina, es freut mich, dass dir das Interview gefällt. Das Gespräch mit Franziska war wirklich sehr interessant und auch ich habe währenddessen ein paar mal genickt 🙂
      Ich wünsche dir noch eine schöne Woche.
      Nicki

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