BALMAIN X H&M: no merci!

balmain x h&m

Am 5. November ist es wieder soweit: Schon vor Sonnenaufgang Schlange stehen, beim grimmigen Hereinwinken des Security-Typen möglichst vielen Rivalinnen ein Bein stellen und gleichzeitig selber lossprinten, um dann Auge um Auge mit Unseresgleichen um das Lieblingsteil in der richtigen Größe zu rangeln. Alle Mittel sind erlaubt – denn bei H&M ist Balmainia. Darwin bezeichnete dies lange vor der Erfindung von H&M Design-Kooperationen als The survival of the fittest shopper: Nur das Exemplar mit dem aggressivsten Verhalten wird am Ende tragen können… – was alle anderen auch tragen. Alle anderen holen sich die Teile später nämlich auf eBay.

Auch wir waren bei bisherigen Collabs von H&M ein bisschen hysterisch und haben unser Karma durch Raffgier und Hemmungslosigkeiten belastet. Diesmal sind wir es aber nicht, sondern haben große Zweifel. Geht das nur uns so?!

Eine Prinzipsache

„How Balmain x H&M Is Bringing Exclusivity to the Masses“ – So lautete vor gut einer Woche die ironische Headline eines Artikels der britischen Vanity Fair. Ironisch, weil: Das geht nicht. Exklusivität schließt die Masse aus, sonst darf sie sich nicht mehr so nennen. Kleidung, die durch die Tür von H&M geht, ist nicht luxuriös und alles andere als exklusiv. Das macht nichts bei Streetwear-Buddie Alexander Wang, das macht nichts bei Bohemian-City-Badass Isabel Marant – und das hat auch nichts bei Labels wie Margiela oder Marni gemacht. Aber bei Balmain ist es anders: Die absolute High Fashion Marke ist heute deshalb so attraktiv, weil die Kollektionen ultra-sexy, ultra-chic und ULTRA hochwertig gefertigt sind. Wenn man ‚hochwertig’ aus der Gleichung nimmt (und das passiert zwangsläufig bei einer H&M Kooperation), dann kommt hier ‚einfach nur billig’ raus – und damit ist nicht der Preis gemeint, sondern die Wirkung.

The survival of the fittest shopper: Nur das Exemplar mit dem aggressivsten Verhalten wird am Ende tragen können… – was alle anderen auch tragen.

Die Pieces für H&M sind bis ins Detail ganz nah an den von Olivier Rousteing entworfenen Kollektionen seit 2012. Doch es sind nicht nur Schnitte und Farblichkeiten, die Balmain zu dem machen, was es ist – sondern die aufwendigen und von Hand im Pariser Atelier gefertigten Goldstickereien, Perlenapplikationen, Schmuckelemente – der ganze schwere, wertige Dynasty-Pomp, ohne dessen Authentizität es doch nur kitschig und billig werden kann – absoluter Trash, oder bestenfalls Fashingskostüme. Aber der Hype um Balmainia bei H&M beruht auf der Illusion, dass es auch in Plastik und per Massenfertigung funktioniert. Und wir fragen wir uns:

balmain x h&m

Treibt die Popularisierung von Balmain voran: Designer Oliver Rousteing

Wer kauft das?!

Der sehr junge Chefdesigner Olivier Rousteing möchte sich an seine Generation richten und nennt sich selbst einen „H&M Boy“, denn er ist mit der schwedischen Marke groß geworden. Jetzt würde uns aber wirklich interessieren, welche von den heutigen H&M Boys und Girls, deren Durchschnittsalter 16 ist, sich Outfits für bis zu 830 Euro leisten können. Weil wirklich preiswert sind die wenigsten Pieces in der Kollektion – die Highlights schon gar nicht. Und selbst wenn sie es wären: Wohin ziehen Teenager die Party-Teile an? In die Schule? Die Dorfdisko? Ins Ferienlager?

Denn wir können uns einfach nicht vorstellen, dass die „echte“ oder potentielle Balmain-Kundin, die chic ist, glamourös, stilsicher und qualitätsbewusst – am Donnerstag bei H&M Schlange steht, weil sie tatsächlich erwartet, dort auch nur einen Teil dessen zu bekommen, wofür sie normalerweise mehrere Tausend Euro bezahlen würde.

Ganz ehrlich, diese Geschichte vermiest uns ein klein wenig die Freude an einem Label, das eines unserer großen Stars ist. Und irgendwie hoffen wir für uns und Balmain, dass alles wieder gut wird. Wahrscheinlich ist die Kollaboration mit H&M eine unumgängliche Konsequenz von Balmains Popularisierung durch Olivier Rousteing, seiner Instagramierung, Beyoncé- und Kim-Kardashianisierung, gegen die wir bisher schließlich auch nichts hatten. Da müssen wir jetzt wohl durch.

 

3 Kommentare

  1. November 2, 2015 / 5:49 pm

    zugegeben, auch ich war immer aufgeregt vor diesen Designer-Kollektionen … und habe noch NIE ein ein passendes Teil abbekommen – war dann wohl eher immer die, die ein Bein gestellt bekommen hat 😉
    und auch über ebay Auktionen habe ich schnell gepasst, weil die Teile tatsächlich noch über den regulären Verkaufspreis über den virtuellen Ladentisch gingen .

    wohl gar nicht so übel – scheine jedenfalls nichts verpasst zu haben 😉

    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

    • Christiane
      Autor
      November 3, 2015 / 10:45 am

      Hi Tina! Ich glaube, das Risiko etwas zu verpassen ist diesmal sehr klein… Danke für deinen Comment!
      LG Christiane

  2. silke
    November 11, 2015 / 10:06 pm

    super Artikel <3

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